Mitarbeiterbindung & Fachkräftegewinnung in landwirtschaftlichen Betrieben

In vielen Branchen mittlerweile als Problem erkannt, spielen zurzeit auch in der Landwirtschaft Fachkräftegewinnung und Mitarbeiterbindung eine große Rolle.

Insbesondere unsere Außendienstarbeit ermöglicht auch immer mal einen Blick über Fütterungsberatung und Stallbesuch hinaus und derzeit ist eine sehr hohe Wechselbereitschaft in landwirtschaftlichen Betrieben auszumachen; als Gründe werden oft die Bezahlung und das Betriebsklima genannt. Unter das Schlagwort „Betriebsklima“ fallen Aspekte wie fehlende Teamevents, der Zusammenhalt innerhalb des Teams oder stark hierarchische Strukturen mit einem autoritären Führungsstil, in dem ein eigenverantwortliches Agieren der Mitarbeiter weder gewollt noch gefördert werden.

Insbesondere die jüngeren Generationen „Y“ (frühe 1980er – späte 1990er Jahre geboren (1) und „Z“ (ungefähr: zwischen 1997-2012 geboren (2) erwarten heutzutage mehr als standardisierte Benefits wie eine betriebliche Altersversorgung, Dienstwagen oder Diensthandy. Bieten immer mehr landwirtschaftliche Betriebe bspw. eine Kinderbetreuung an, stehen jedoch ganz vorn auf der Wunschliste „geregelte Arbeitszeiten“. Wie wir in unserem ersten Artikel zum Personaleinsatz schon festgestellt haben, ist dies durch Besonderheiten in der Landwirtschaft wie Arbeitsspitzen, Saisonarbeit oder auch Wochenend- und Feiertagsarbeit nicht immer einfach umzusetzen. Hier zeigt die Praxis, dass es empfehlenswert ist, die Mitarbeiter in die Schichteinteilungen einzubeziehen.

Praxistipp: Legen Sie einen Stichtag fest, bis zu dem Dienstwünsche abzugeben sind und berücksichtigen Sie diese in der Dienstplanung. Sollten sich einmal zu viele Wünsche überschneiden, sollen sich die Kollegen nochmals untereinander einigen. In den meisten Fällen gelingt das problemlos. Es sollte dann aber auch darauf geachtet werden, dass nicht immer dieselben Mitarbeiter ihre Wünsche durchsetzen, da das Verständnis füreinander dann schnell ins Gegenteil umschlägt.

Beim Thema „Geregeltere Arbeitszeiten“, das auch den Wunsch nach einer besseren Planbarkeit im Privatleben enthält, kann in einem gewissen Maße auch die Digitalisierung in der Landwirtschaft unterstützen: durch Melk- und Reinigungsroboter oder Futterroboter können zeitraubende, manuelle Arbeiten wegfallen und somit eine flexiblere Zeiteinteilung ermöglichen.

Bei der Fachkräftegewinnung können zudem spezialisierte Personalberatungen helfen, die mittlerweile auch vermehrt spezialisiertes Personal aus dem Ausland rekrutieren. Weitere Möglichkeiten, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten, können sein: Teamevents, ein moderner Führungsstil, der Freiraum für eigene Ideen und eigenverantwortliches Arbeiten ermöglicht, Weiterbildung, eine faire Entlohnung & variable Gehaltsbestandteile, Zuschüsse zu Mitarbeiter-Verpflegung, Tankkarten oder Zuschüsse bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, der Ausgleich von Überstunden oder auch ein Betriebliches Gesundheitsmanagement.

Letztendlich ist festzustellen, dass einerseits schon viele Betriebe erkannt haben, dass die Bedürfnisse und Anforderungen der Mitarbeiter gestiegen sind und sie ihre Personalstrategie dementsprechend weiterentwickeln müssen. Andererseits gibt es aber auch noch zahlreiche Betriebe, die noch ganz am Anfang eines mitarbeiterorientierten Personalmanagements stehen. Mitarbeiter in sie betreffende Entscheidungen einzubeziehen und Entscheidungen zu erklären, kann helfen, das Verständnis zu erhöhen – Widerstände und Unzufriedenheit werden abgebaut. Wenn Mitarbeiter das Gefühl haben, dass man ihre Belange ernst nimmt und sie wichtig sind, wird sich letztendlich auch die Bindung ans Unternehmen erhöhen.

 

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Y

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